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unilogo Universität Stuttgart
Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme

Anwendungsprojekt ASBUS

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ASBUS

   

 

 

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Projektfortschritt

(Stand Januar 2010)

Im Rahmen des bisherigen Projektverlaufs wurden dem ASBUS-Team digitale Karten vom Universitätsbauamt von einigen Gebäuden bereitgestellt. Für zahlreiche Gebäude der Universität gibt es allerdings noch keine solchen Karten in digitaler Form – dies gilt insbesondere für die älteren Gebäude. Diese Karten werden aber nun nach und nach vom Universitätsbauamt angefertigt und zur weitere Aufbereitung für blinde und sehbehinderte Personen zur Verfügung gestellt.

Kartierungsarbeiten

Mit Hilfe von studentischen Hilfskräften wurden inzwischen vom gesamten Außenbereich der Universität etwa 10 % (der zentrale Bereich um die S-Bahn-Station Universität) in das benötigte Format gebracht. Bei diesem Prozentsatz muss berücksichtigt werden, dass im Rahmen des bisherigen Projektverlaufs zunächst die einzelnen Arbeitsschritte bei der Konvertierung vom Kartenformat des Universitätsbauamts (DWG) bis hin zum Kartenformat für blinde Perosnen (ein auf CityGML basierendes XML-Format) vollkommen geklärt und automatisiert werden mussten. Auf der Basis dieser notwendigen Automatisierung kann die zukünftige Bearbeitung nun wesentlich schneller erfolgen, so dass die 100%ige Erfassung des gesamten Außenbereichs der Universität im Jahr 2010 abgeschlossen werden kann. Eine nahezu vollständige Kartierung aller Innenbereiche wird bis voraussichtlich Ende 2011 möglich sein.  
Bisher konnten das Informatikgebäude und das NWZ 2 vollständig im benötigten Kartenformat erfasst werden. Die Kartierung des NWZ 1 und der Mensa 2 wurde begonnen. Die Mensa stellt aufgrund ihrer zahlreichen Treppen und komplexen Architektur eine besondere Herausforderung für blinde Personen dar.

Des Weiteren wurde RFID-Technologie erfolgreich getestet, um eine automatische Initialisierung des TANIA-Systems (Tactile-Acoustical Navigation and Information Assistant) an Gebäudeeingängen zu erreichen. In Gebäudenähe sind GPS-Signale, die ebenfalls optional zur Initialisierung und Synchronisierung des Systems verwendet werden können, häufig mit einem großen Fehler behaftet – hier bietet die Anbringung von RFID-Tags eine einfache und genaue Alternative. Das Informatikgebäude wurde bereits zum Teil mit RFID-Tags ausgestattet, die eine solche Verbesserung der Initialisierung des TANIA-Systems und der Positionsbestimmung ermöglichen. Inzwischen genügt es, wenn ein Benutzer z.B. durch den Haupteingang des Informatikgebäudes geht, um die Startposition in der Karte mit Hilfe eines etwa 20 cm langen RFID-Tags zu setzen.

Darüber hinaus wurden Kooperationen mit dem Stadtmessungsamt und der Stuttgarter Straßenbahnen AG begonnen. Im DWG-Ausgangsformat wurden bereits die Karten für die Bereiche U-Bahn-Haltestelle Rothebühlplatz, U-Bahn-Haltestelle Friedrichsbau und die Klettpassage bereitgestellt, die für blinde und sehbehinderte Studierende unter anderem deshalb besonders relevant sind, da sie die Voraussetzung sind, um überhaupt zur Universität zu gelangen. Für diese Bereiche erfolgt nun die Benennung von Kartensegmenten, die Ergänzung mit blindengerechten Informationen und die Konvertierung in das gewünschte XML-Kartenformat. Zusammen mit dem Universitätsbauamt wird an einer Formatabsprache gearbeitet, so dass zukünftige Änderungen und Neuerungen vom Universitätsbauamt gleich im gewünschten Format erfolgen können.

 

 

 
 

 

 
 

 

UsabilityTestTANIA

Anforderungsanalyse

Gemeinsam mit blinden und sehbehinderten Studierenden, Studieninteressierten und wissenschaftlichen Mitarbeitern wurden von wichtigen Wegen (Wege zur S-Bahn-Station, Bushaltestellen, Mensa, Hörsäle etc.) Videoaufnahmen angefertigt und analysiert, um so Bereiche ausfindig zu machen, in welchen eine spezielle Kartierung für sensorisch Behinderte notwendig ist. Das TANIA-System bietet nun zum Beispiel die Möglichkeit, ortsbezogene Navigationshinweise oder Warnungen beim Betreten entsprechender Bereiche akustisch oder auf einer portablen Braillezeile zu übermitteln oder sehbehinderte Benutzer über große offene Plätze ohne taktile Leitlinien in einem lokalen Koordinatensystem zu führen. Diese Art der Führung hat sich insbesondere auch in Kreuzungsbereichen und bei den für blinde Menschen labyrinthähnlichen Säulenanordnungen bewährt.

Im Rahmen der Orientierungsphase für blinde und sehbehinderte Studieninteressierte an der Universität Karlsruhe wurden darüber hinaus die speziellen Anforderungen von Studienanfängern herausgearbeitet, die nun bei der weiteren Entwicklung berücksichtigt werden.

Inzwischen gibt es sieben TANIA-Systeme, wovon vier aus ASBUS-Mitteln bezahlt wurden. Diese Systeme können nun von blinden und sehbehinderten Testpersonen dafür eingesetzt werden, um die erstellten Karten und Routen auf den wichtigsten Wegen auf die gewünschten Anforderungen zu überprüfen.

Von Studierenden für Studierende

Neben den signifikanten Fortschritten und den zukunftsorientierten Kooperationen des Projekts haben fehlendes Kartenmaterial und die verspätete Einstellung studentischer Hilfskräfte insbesondere in der Anfangsphase zu einer gewissen Verzögerung geführt. Inzwischen konnten sieben wissenschaftliche Hilfskräfte für die Mitarbeit im ASBUS-Projekt gewonnen werden, die nach einer gewissen Einarbeitungszeit in die komplexen Architektur- und Modellierungsprogramme nun sehr effektiv arbeiten. Außerdem konnte auch eine wissenschaftliche Hilfskraft mit hochgradiger Sehbehinderung zur Mitarbeit im Projekt gewonnen werden. So können durch dieses aus Studiengebühren finanzierte Projekt insbesondere auch durch ihre Behinderung benachteiligte Studierende in mehrfacher Hinsicht profitieren.

Damit auch Studierende mit Mobilitätseinschränkungen (hierbei wird insbesondere an Rollstuhlfahrer gedacht) von den bisherigen Entwicklungen profitieren können, wurde über den SFB 627 ein Rollstuhl gekauft, an den das Navigationssystem angepasst wird. Durch das Hinzufügen von Routen, die für den Rollstuhl geeignet sind, kann so mit geringem Mehraufwand ein Nutzen auch für Studierende mit Mobilitätseinschränkungen oder Mehrfachbehinderungen erreicht werden.

Neben den bereits bestehenden Kooperationen, wurden neue Kontakte zu Kostenträgern (z.B. Krankenkassen) und Entscheidungsgremien hergestellt, um die zukünftige Finanzierung innovativer Hilfsmittel für Studierende zu ermöglichen.